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Sonntag, 1. März 1970

1956 - 2


Und dann geht`s los.
Zuerst sind es nureben diese drei, die sich in diese Liste eintragen lassen. Dann werden noch zwei oder drei Unentschlossene überredet, daraufhin entschließt sich noch einer von selbst und zu guter Letzt muss auch der Wirt noch her. Denn der wird ja nun im Nu seinen Umsatz nicht nur steigern, sondern bestimmt verdoppeln, nachdem sein Lokal einen Verein beherbergt.


Fragt nun - überall da - wo der Fußball rollt. Überall, bei jedem Verein, ist es so oder so ähnlich angegangen. Auch beim FC Schwabing!

1.Fußball-Freundschaftsspiel am 20. Mai 1956
FC Hebertshausen I - FC Schwabing 1956
v.l. Otto Guthmann, Richard Schustereder, Ludwig Koller, Egon Guthmann,
Theo Hönig jun., Herbert Heckl, Walter Adam
unten: Klaus Erhard, Franz Adam, Josef Baur, Hans Behner

1956, in den Januar- und Februar -Abenden saß so ein Stammtisch inder Gaststätte Herzogkrone, Ecke Herzogstraße / Fallmerayerstraße zusammen. Und etwa so, wie im oben angeführten Beispiel, kam es auch hier. Es war Ende Februar 1956, da kam der Abend, an dem die besagte Liste auftauchte. Als Erster stand auf dieser Liste Otto Schwarz. Es folgten die Namen Cohnen, Lohmeier, Schiegg, Maier, Behner und Reim. Das war die Gründungsversammlung. Herr Otto Schwarz, der Initiator dieser Versammlung überhaupt, wurde gleich an diesem Abend zum 1. Vorstand gewählt. Herr Cohnen zum 2., Herr Maier zum Schriftführer und der Gastwirt, Hans Behner, zum Kassier. Die nächste Frage war: „Wie soll der Verein heißen?“ 


Nun, auch hier wurde schnell eine Einigung erzielt. Der größte und berühmteste Stadtteil Münchens hatte noch gar keinen Fußballverein, der seinen Namen trägt. Was lag näher, als den eben ins Leben gerufene Verein diesen Namen zu geben. Und so entstand an diesem Abend der F.C. Schwabing 1956.

1956 - 1



Es fing an, wie es mit jedem anderen Verein auch angefangen hat. Ein paar Männer, jüngere und auch ältere, ein Biertisch in irgendeiner kleinen Gaststätte und die dazugehörigen Diskurse.

Da erzählt einer von einem Film, den er sich eben angesehen hat. Ein Zweiter weiß von einem Unfall zu berichten. Ein Dritter hat sogar Soraya - die persische Kaiserin - im Salvatorkeller gesehen. 
Und irgendwann kommt todsicher einer dazu, der die Sprache auf den Fußball bringt. 

Wo aber gibt es heutzutage noch einen Tisch voll Männer, die nicht in irgendeiner Form - sei es

als aktiver Spieler, als Zuschauer oder gar als Funktionär - zu tun gehabt hätten? Und dann kommen unweigerlich die berühmten Erzählungen der älteren Jahrgänge über ihre “Schlachten“, die sie als “junge Burschen“ bei diesem oder jenem Verein mitgemacht haben. 

Es braucht dies nicht immer alles wahr zu sein, aber es gefällt ihm, davon zu erzählen. Sehr oft glaubt er es sogar selber. Und seine aufmerksamen Zuhörer glauben es ihm auch. Das heißt, sie tun wenigstens so, als würden sie es glauben. Bis dann einmal einer, womöglich ein Jüngerer, zu dick aufträgt.


Dann kommen mit Bestimmtheit die Wetten, wie sie unter Fußballern immer und überall abgeschlossen werden. Das war dann der erste Abend.


Nachdem man aber nun einmal ein gemeinsames Interessensgebiet festgestellt hat, ruhen die Gespräche um den Fußball auch am nächsten und den folgenden Abenden nicht. Es kommen noch andere dazu, die die etwas laut geführten Unterhaltungen schon seit einigen Tagen zwei oder drei Tische weiter entfernt verfolgt haben.

Schon sind es 7, 8 oder 10 - und auf einmal fällt das Stichwort: „Verein!“


Irgendeiner hat nun hat nur so nebenbei die Bemerkung fallen lassen. Man könnte doch einen eigenen Fußballverein aufmachen, nachdem man sich seit 5 oder 6 Abenden über nichts anderes, als über Fußball, unterhalten habe. Er meint dies gar nicht so ernst, aber 2 oder 3 sind plötzlich wie elektrisiert. Einen eigenen Verein? Das wäre gar nicht so schlecht.


Und diese 2 oder 3 sprechen auf dem Nachhauseweg und zum Schluss an der Kreuzung, an der sich ihre Wege trennen, noch immer über die “Sache“. Und wenn sie dann auseinander gehen, dann steht es für diese drei schon fest:


„Wir machen einen eigenen Verein.“


Einer hat bis zum nächsten Abend bestimmt schon eine Liste mit Rubriken über Vor- und Zunamen, Geburtstag, Wohnung usw. angefertigt.