Sonntag, 1. März 1970

1956 - 1



Es fing an, wie es mit jedem anderen Verein auch angefangen hat. Ein paar Männer, jüngere und auch ältere, ein Biertisch in irgendeiner kleinen Gaststätte und die dazugehörigen Diskurse.

Da erzählt einer von einem Film, den er sich eben angesehen hat. Ein Zweiter weiß von einem Unfall zu berichten. Ein Dritter hat sogar Soraya - die persische Kaiserin - im Salvatorkeller gesehen. 
Und irgendwann kommt todsicher einer dazu, der die Sprache auf den Fußball bringt. 

Wo aber gibt es heutzutage noch einen Tisch voll Männer, die nicht in irgendeiner Form - sei es

als aktiver Spieler, als Zuschauer oder gar als Funktionär - zu tun gehabt hätten? Und dann kommen unweigerlich die berühmten Erzählungen der älteren Jahrgänge über ihre “Schlachten“, die sie als “junge Burschen“ bei diesem oder jenem Verein mitgemacht haben. 

Es braucht dies nicht immer alles wahr zu sein, aber es gefällt ihm, davon zu erzählen. Sehr oft glaubt er es sogar selber. Und seine aufmerksamen Zuhörer glauben es ihm auch. Das heißt, sie tun wenigstens so, als würden sie es glauben. Bis dann einmal einer, womöglich ein Jüngerer, zu dick aufträgt.


Dann kommen mit Bestimmtheit die Wetten, wie sie unter Fußballern immer und überall abgeschlossen werden. Das war dann der erste Abend.


Nachdem man aber nun einmal ein gemeinsames Interessensgebiet festgestellt hat, ruhen die Gespräche um den Fußball auch am nächsten und den folgenden Abenden nicht. Es kommen noch andere dazu, die die etwas laut geführten Unterhaltungen schon seit einigen Tagen zwei oder drei Tische weiter entfernt verfolgt haben.

Schon sind es 7, 8 oder 10 - und auf einmal fällt das Stichwort: „Verein!“


Irgendeiner hat nun hat nur so nebenbei die Bemerkung fallen lassen. Man könnte doch einen eigenen Fußballverein aufmachen, nachdem man sich seit 5 oder 6 Abenden über nichts anderes, als über Fußball, unterhalten habe. Er meint dies gar nicht so ernst, aber 2 oder 3 sind plötzlich wie elektrisiert. Einen eigenen Verein? Das wäre gar nicht so schlecht.


Und diese 2 oder 3 sprechen auf dem Nachhauseweg und zum Schluss an der Kreuzung, an der sich ihre Wege trennen, noch immer über die “Sache“. Und wenn sie dann auseinander gehen, dann steht es für diese drei schon fest:


„Wir machen einen eigenen Verein.“


Einer hat bis zum nächsten Abend bestimmt schon eine Liste mit Rubriken über Vor- und Zunamen, Geburtstag, Wohnung usw. angefertigt.

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